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Im Mai 1946 gründeten Männer
der ersten Stunde
unseren Kreissportverband
Der Krieg war zu Ende, Deutschland wurde
noch überwiegend von den Alliierten verwaltet. In Hessen, Bayern und Würthenberg-Baden
wurden die Gemeinderäte erstmals seit 1933 wieder frei gewählt. Das
Leben nahm wieder Form an, wenn auch unter erschwerten Bedingungen. Wir schreiben
das Jahr 1946. Der Sport in den Vereinen, der auch durch die Kriegswirren nie
ganz zum erliegen kam, regte sich wieder und im Kreis Steinburg wagten mutige
Männer um "Jac" Buss und Eduard Czekalla mit
Vertretern aus 26 Vereinen und einem aufgeschlossenen Sportoffizier der britischen
Militärregierung die Gründung unseres Sportverbandes Kreis Steinburg
e.V. Die Zeiten waren schwer in diesen ersten Nachkriegsjahren, zur allgemeinen
Not traf noch eine Kältewelle die Bevölkerung. Ohne ausreichende Brennstoffe
und weniger als 1300 Kalorien pro Tag und Magen musste man über die
Runden kommen. Doch ohne den Sport wollte man auch nicht sein. Sportstätten
waren Mangelware und erst recht Sportgeräte. Es war die Zeit der Tauschzentralen
und irgendwie lief sich mit der Zeit alles zurecht. Sport wurde betrieben, sei
es nun draußen auf den mühsam präparierten Sportplätzen oder
auf Sälen von Gastwirtschaften oder in ausgeräumten Schulklassen. In
einer strukturschwachen Region wie sie nun einmal der Kreis Steinburg ist, war
es schon erstaunlich, dass im Laufe der Jahre sich den anfänglich 26
Vereinen stetig neue dem KSV hinzugesellten. 1971 als der KSV auf sein 25-jähriges
Bestehen zurückblicken konnte, waren bereits 90 Vereine mit 21.000 Mitgliedern
dem KSV beigetreten. Heute betreut der Kreissportverband 155 Vereine mit insgesamt
46.331 Mitgliedern. Eine gesunde Breitenarbeit wurde immer und wird auch heute
noch betrieben, wenn sich die Zeiten auch grundlegend geändert haben. Zwangsläufig
führte diese Entwicklung auch zu Spitzenleistungen und Ausnahmeathleten
in unseren Vereinen. Jürgen Bischoff von Gut-Heil Itzehoe mit
mehreren Deutschen Meisterschaften an den Ringen, am Barren und im Bodenturnen
ist einer von ihnen. Nicht zu vergessen die Gebrüder Diehl
aus der gleichen Riege und Gerd Frähmke von den Leichtathleten.
Edda Müller und Heiko Barkowski vom MTV Itzehoe
als Vizeweltmeister im Rollsport-Paarlauf sind in guter Erinnerung. Sowie Max
Voigt vom Itzehoer SV als Deutscher Seniorenmeister, Hans-Peter
Sommer, Heiligenstedten als Deutscher Jugendmeister im Kegeln, Rudi
Schönbeck vom ISV 09 als Torwart unserer Fußballmannschaft
bei den Olympischen Spielen in Stockholm. Doch allem setzte einer die Krone auf,
es war Willi Holdorf vom ETSV Fortuna Glückstadt, der als Krönung
seiner Laufbahn bei den Olympischen Spielen 1964 in Tokio zum "König der
Athleten" mit dem Gewinn der Goldmedaille im olympischen Zehnkampf belohnt wurde.
Vergessen wir nicht, dass diese Leistungen zwar von den Sportlern erbracht
wurden, aber hinter all dem ehrenamtliche Helfer standen und auch heute stehen,
die sich selbstlos und mit unermesslichem sportlichen Idealismus allen Problemen
stellen. Stellvertretend für alle sei hier nur der langjährige Gauturn-
und Kreissportwart Hannes Mecklenburg von ETSV Fortuna Glückstadt
genannt, der vom Bundespräsidenten Lübke 1965 mit dem Bundesverdienstkreuz
ausgezeichnet wurde.
Wie im Zusammenleben der
Staaten untereinander, so hatte sich auch der Sportverband Kreis Steinburg im
Laufe seines Bestehens mit "Grenzfragen" zu beschäftigen. In den Jahren
1947-51 wurde auf Landesebene von den sich inzwischen etablierten großen
Fachsparten immer wieder die Auflösung der Kreissportverbände gefordert,
ein Kompetenzgerangel um Machtbesessenheit. An den Kreisgrenzen kam aus den
unterschiedlichsten Gründen bei einigen Vereinen der Wunsch auf, sich sportlich
im Nachbarkreis zu betätigen und "auszuwandern". Auch Steinburg hat so
etwas erlebt, der TSV Brokstedt spielte eine Saison im Kreisverband Neumünster
Fußball, kehrte aber danach in unseren Kreis zurück. Eine Gebietsreform
brachte es mit sich, dass zwischen den Kreisen Steinburg und Rendsburg-Eckernförde
Vereine ausgetauscht wurden. Die Schenefelder Vereine, Bokelrehm und Puls kamen
zu uns, während der TSV Behringstedt und der TSV Aukrug in den Nachbarkreis
wechselten.
Die Nachwuchsförderung
der Sportjugend liegt dem Kreissportverband ganz besonders am Herzen. Hier kann
auf eine gute Zusammenarbeit mit den zuständigen Gremien der Kommunen zurückgeblickt
werden. Viele Ferien- Maßnahmen und Fortbildungen wurden vom Kreissportverband
in den zurückliegenden Jahren organisiert und durchgeführt. Doch wie
überall im Leben spielt auch im Sport Geld eine immer dominierendere Rolle.
Seit im Jahre 1973 die Produktwerbung auf Spielertrikots erstmals erlaubt wurde,
setzte sich eine immer weiter um sich greifende Kommerzialisierung des Sports
durch. Ohne Geld läuft manchmal gar nichts mehr, sehr zum Leidwesen des
Breitensports und der Jugend. Der Staat zieht sich mangels leerer Kassen immer
mehr aus seiner Verantwortung zurück. Wo doch eindeutig feststeht, dass in bundesweit über 84.000 Vereinen mit 240 verschiedenen angebotenen Sportarten
das umfassende und von keiner anderen Institution erreichte Angebot an körperlicher
Ertüchtigung steht. Somit sind die Sportvereine Stützpunkte einer
allgemeinen Prävention gegen die von Bewegungsmangel mit verursachten Zivilisationskrankheiten.
Orte der Begegnung sind auch
immer Orte der Integration von Ausländern und Randgruppen und wo findet
dieses besser statt als in den Sportvereinen. Nicht zu vergessen der demokratische
Aspekt, der von den Vereinen durch die Selbstorganisation ausgeht und die ehrenamtliche
Tätigkeit von über 2,4 Millionen Bürgern. Mit einem Umsatz von
16,8 Milliarden DM jährlich erbringen die Sportvereinsmitglieder den größten
wirtschaftlichen Anteil im organisierten Sport. Doch Sponsoring heißt
das neue Schlagwort, wobei wir bei der Frage wären: "Was wird aus dem Sport
in der Zukunft"? Den Vereinen geht die Luft aus, mit höheren Mitgliedsbeiträgen
ist dieses Problem so einfach nicht zu lösen, zum anderen stoßen
Krankenkassen und Volkshochschulen mit Sportangeboten auf den Plan und machen
den Vereinen zusätzlich Konkurrenz. Die Berufsgenossenschaften haben ihre
Beitragssätze als Folge der beachtlichen Leistungen an verletzte hochdotierte
Profisportler drastisch angehoben ohne Berücksichtigung der Tatsache, dass
Profisportler nur eine Minderheit auf der großen Bühne des Sports
sind und die überwiegende Masse der Sportler in ihren Vereinen Breitensport
betreiben. Wo soll das alles noch hinführen?
Erste Ansätze eines
Umdenkens sind erkennbar, wenn auch noch nebulös. So werden bei den Politikern
Überlegungen angestellt, den Sport in die Verfassung aufzunehmen und so
als ein verbrieftes Recht zu verankern. Dann würden wir nicht immer nur
als Bittsteller dastehen und hätten ein Anrecht auf Förderung. Und
der runde Tisch beim Bundeskanzler mit Vertretern der Industrie und des Sports
über die finanzielle Ausstattung der Sportorganisationen gibt zu Hoffnungen
Anlass. Doch sich darauf zu verlassen wäre fatal, wird es hier doch
sicherlich in erster Linie wieder um den Spitzensport gehen.
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